Der Grundrohstoff der Lerdererzeugung ist die Rohhaut. Unter der Rohhaut versteht der Gerber die abgezogene, entfleischte Schlachthaut ohne Behandlung, im Gegensatz zum Leder als fertigem Produkt der Gerberei.
Damit eine abgezogene Haut überhaupt weiter zu Leder weiter verarbeitet werden kann, muss diese möglichst fehlerfrei sein. Schäden durch Krankheiten oder Verletzungen oder durch fehlerhaften Umgang im Schlachthof beim Schneiden oder
der Konservierung mindern den Wert für den Gerber. Beim Abtrennen der Haut muss die Schnittführung so erfolgen, dass der Gerber möglichst große, heile Flächen für die Weiterverarbeitung produzieren kann. Die Rohware wird über den Rohwarenhandel oder Auktionen, vorwiegend aber im freien Handel verkauft. An den Handels- und Auktionsstellen wird dann die Rohware zu Losen von gleichartigen Häuten bzw. Fellen zusammengestellt.
Für die Abschnitte der Tierhaut verfügt der Gerber über ein spezielles Vokabular. Der vordere Teil der Haut gliedert sich in Hals und Backe, der zentrale und hintere Teil in Rücken (auch Schild) und Schwanzwurzel. An den Seiten befinden sich die Flanken, die von den Vorderklauen/-flämen und Hinterklauen/-flämen umschlossen werden.
Die Flämen und Flanken sind besonders weich und losnarbig. Sie sollten vorwiegend an wenig beanspruchten oder nicht sichtbaren Stellen verwendet werden. Die Qualität der Flanken oder Flämen ist nicht so gut wie die des
Rückens oder Croupons.

Äscher
Der erste Arbeitsschritt im Äscherfass ist die Weiche. Mit Wasser wird die Rohware von natürlichen Hautverschmutzungen gereinigt.
Ziel ist, die Haut in den Zustand zurückzuführen, den sie am lebenden Tier hatte. Der Wassergehalt von ca. 65% soll nach der Weiche in der Haut wieder erreicht sein. Im selben Fass findet danach der Äscher statt. Hier werden nicht-Leder-gebende Substanzen, wie Naturfett und Eiweiß, aus der Haut heraus gewaschen.
Weiche und Äscher werden anhand einer Rezeptur durchgeführt und dauern ca. 24-36 Stunden. Die geäscherte und enthaarte Haut heißt nun Blöse.
Entfleischen
Das Entfleischen wird in einem Stadium an der Haut (Vorentfleischen) oder der Blöße durchgeführt, bei dem die Lederhautschichten noch eine gewisse Festigkeit, entweder durch eine nicht vollständige Weiche oder aber durch die Quellung im Äscher, besitzen. Bei dieser maschinellen Arbeit wird das Unterhautbindegewebe mit seinen Einlagerungen möglichst gleichmäßig und vollständig von der Retikularschicht abgetrennt. Reste dieses Bindegewebes beeinträchtigen die
Diffusionsprozesse in der Haut sowie die spätere Verarbeitbarkeit des Leders (Verklebung von Sohlenledern usw.).
Das Spalten
Dieser Arbeitsgang dient der Einstellung der späteren Lederdicke von dem reinen Egalisieren bis zur Erzeugung von Narben- und Fleischspalt, die erst nach dem Spalten in getrennten Prozessen für den vorgesehenen Verwendungszweck
bearbeitet werden können. Beim Spalten wird die Haut durch exakt einstellbare Führungseinrichtungen gegen ein horizontal in der Ebene der Hautfläche laufendes Bandmesser geführt und so in zwei Schichten zerschnitten. Der Oberspalt wird dabei in der vorgesehenen Dicke über die gesamte Fläche gleichmäßig eingestellt, während der Unterspalt alle Dickenunregelmäßigkeiten aufnimmt. Das Spalten kann in verschiedenen Stadien von der rohen Haut bis zum fertigen Leder erfolgen. Der Spaltvorgang an der rohen Haut, durch den die beiden Schichten mit bevorzugt horizontal verlaufenden Fasern (der Narbenbereich und die Grenzzone der Retikularschicht zur Unterhaut) schon vor dem Äscher getrennt werden, soll den am Fertigleder oft auftretenden Narbenzug ausschalten und die Mastfalten verringern. Gebräuchlicher ist aber das Spalten nach dem Äscher oder nach der Chromgerbung. Die Anforderungen an das Fertigleder legen bei dem
Bestreben nach dem Erhalt dünnerer Leder die Spaltgrenzen fest. Für Oberleder gilt als Richtwert ein Spalten des Leders bis zu 50 % seiner ursprünglichen Dicke, ohne eine Verschlechterung der Ledereigenschaften.
Gerben
Der zentrale Arbeitsgang bei der Lederherstellung ist die Gerbung. Sie dauert etwa 20 Stunden, ist rezepturgesteuert und wird im Fass durchgeführt.
Bis zur Gerbung ist das Hautmaterial verderblich. Erst durch den Gerbprozess wird die Haut haltbar gemacht. Dieser Prozess setzt sich aus 4 einzelnen Schritten zusammen, die hintereinander im Gerbfass ablaufen der Entkälkung, Beize, Pickel und der Gerbung. Im ersten Schritt - der Entkälkung - wird der im Äscher zugeführte Kalk wieder herausgelöst. In der anschließenden Beize werden mit Hilfe von Enzymen Kollagen und andere Eiweißstoffe kontrolliert abgebaut. Dadurch werden die Fasern gegeneinander beweglicher und das Leder wird weicher. Im Pickel wird durch Zugabe von Säure und Salz der PH-Wert der Haut abgesenkt und somit auf die Zugabe von Gerbstoff vorbereitet.
Wenn die Haut durch den gesamten Querschnitt einen PH-Wert von ca. 3 erreicht hat, ist sie bereit für die Zugabe des Gerbstoffes.
Häute können mit den verschiedensten Substanzen gegerbt werden. Die Hauptgerbarten sind die Chromgerbung (fast alle Bekleidungsleder und Schuhoberleder), die Pflanzengerbung (i.d.R. Gürtel, Sohlenleder, Reitleder), die synthetische Gerbung
und die Trangerbung (z. B. Fensterleder, Trachtenleder). Häufig werden verschiedene Gerbarten kombiniert, um bestimmte Eigenschaften des Endprodukts zu erreichen, z. B. die synthetische Gerbung mit der Chrom- oder Pflanzengerbung.Die Farbe des Leders - vor der eigentlichen Färbung - lässt in der Regel erkennen, welches Gerbverfahren angewandt wurde. Pflanzliche Gerbung färbt das Leder bräunlich, Trangerbung gelblich, Alaungerbung weiß und Chromgerbung blau (Wet Blue). Die Firma Boxmark setzt dabei ausschließlich Chromfreie Gerbstoffe ein. Diese Vernetzung zwischen Gerbstoff und Hautmaterial nennt man Gerbung.
Entkälkung
Beize und Pickel
Die Behandlung der entkälkten Blößen mit speziellen Enzymen (Proteasen) ist für die Eigenschaften des Fertigleders von seiner Bedeutung her der Einwirkung des Äschers gleichzustellen. Beize und Pickeln erfolgen während oder gleich im Anschluss an die Entkälkung. Äußerlich zeigt sich die Beizwirkung durch ein Verfallen der Blößen. Dies wird auf eine Weiterführung der im Äscher begonnenen Faserisolierung zurückgeführt. Es werden die Keratinreste aus dem Narbenbereich entfernt und Grund und Gneist gelöst. Beizdauer und Intensität sind abhängig von dem Blößenmaterial und der daraus herzustellenden Lederart.
Abwelken und Falzen
Die Leder werden vor dem Weiterverarbeiten auf einer Abwelk- oder Ausreckmaschine von dem noch reichlich vorhandenen Wasser befreit. Die abgewelkten Leder lassen sich viel gleichmäßiger und genauer bearbeiten als die nassen Leder. Das ist für die Einstellung einer bestimmten Stärke sehr wichtig. Diese Regulierung der Lederdicke kann entweder durch ein Spalten erfolgen - so wie es beim Spalten aus der Blöße beschrieben wurde - oder durch das Falzen. Das Falzen ist eine
spanabhebende Bearbeitung der Fleischseite auf der Falzmaschine. In dieser Maschine läuft das Leder durch einen einstellbaren Spalt zwischen einer stabilen Andruckwalze und dem mit ca. 1500 Umdrehungen je Minute umlaufenden Messerzylinder. Dieser Spalt entspricht der Lederdicke, die erreicht werden soll. Die scharfen Falzmesser schneiden das zu dicke Leder von der Fleischseite ab. Die so gefalzten Leder werden dann gewogen, wobei das hierbei erhaltene „Falzgewicht“ als Grundlage für die Mengenberechnung der für die weiteren Arbeiten erforderlichen Hilfsstoffe dient.
Nachgerbung
Der nun folgende Prozess der Nachgerbung wird anhand einer Rezeptur in einem Färbefass durchgeführt und setzt sich aus mehreren Teilschritten zusammen: Neutralisation, Nachgerbung, Färbung und Fettung.
Erst in der Nachgerbung und durch die große Erfahrung des Ledertechnikers erhält das Leder seinen ganz speziellen und kundenspezifischen Charakter. Zunächst wird in der Neutralisation die Haut auf den für die Zugabe von Farb-,
Gerb- und Fettungsmitteln richtigen ph-Wert eingestellt. Um dem Leder den vom Kunden gewünschten Charakter und bestimmte technische Eigenschaften zu verleihen, werden der Haut in der Nachgerbung weitere
Gerbstoffe zugesetzt. Sie beeinflussen die Weichheit, den Griff, die Reißwerte, die Elastizität und andere Eigenschaften des Leders. Im weiteren Verlauf werden Farbstoffe zugegeben, um den gewünschten Farbton auf
der Lederoberfläche zu erzielen. In der erfahrenen Hand des Färbemeisters liegt es, den richtigen Farbton aus einer großen Palette von Farbstoffen zusammen zu mischen.
Der gesamte Prozess des Äscherns, Gerbens und Nachgerbens wird ferner durch einen Zentralrechner gesteuert. Prozesse können dadurch leichter kontrolliert und reproduziert werden.
Die benötigten Chemikalien werden automatisch abgewogen und in geschlossenen Systemen kontrolliert den Fässern zugegeben, kein Gramm mehr als erforderlich! Das erhöht die Arbeitssicherheit und die Arbeitshygiene, reduziert menschliche
Fehler auf ein Minimum und bedeutet vor allem ein Maximum an Sicherheit für unsere Umwelt! Um ein Höchstmaß an Qualitätssicherung zu erzielen, wird in unserer Verwiegestation jeder einzelne Bestandteil einer Rezeptur genau erfasst,
computerunterstützt abgewogen und sorgfältig zusammengemischt.
Zurichtung
Nach dem Gerben, Färben und Fetten hat das Leder noch nicht den verarbeitungsfertigen Zustand erreicht. Es muss noch veredelt werden, damit die Lederoberfläche besondere, auf den jeweiligen Verwendungszweck abgestimmte Eigenschaften erhält.Die vielen, verschiedenartigen Eigenschaften, welche von dem zugerichteten Leder gefordert werden, scheinen zum Teil einander zu widersprechen, z.B. Flexibilität und Oberflächenhärte bzw Abriebfestigkeit, Wasserdichtheit und Atmungsfähigkeit, Widerstandsfähigkeit gegen heißes Bügeln und Biegebeständigkeit in der Kälte. Diese Anforderungen können nicht durch ein einzelnes Zurichtmittel und auch nicht durch Auftragen einer einzelnen Zurichtschicht erfüllt werden.
Aufgabe aller Zurichtungen ist aber:
Bei der Zurichtung werden mehrere Schichten aufgetragen. Grundprinzip für den Aufbau der Zurichtung:
Der Aufbau der Zurichtung, die in mehreren sehr dünnen Schichten aufgebracht wird, entspricht in etwa dem Aufbau der ursprünglichen Oberhaut
Die Grundierungsschicht muss weich eingestellt sein und in die Oberfläche des Leders teilweise eindringen, um eine feste Verankerung zu gewährleisten. Alle weiteren Schichten werden eine immer härtere Einstellung haben, je weiter sie in den Finish-Bereich kommen. Eine Verdichtung der
Schichten in sich und der Gesamtzurichtung erfolgt durch Bügelprozesse. Dabei können auch Prägungen des Narbens (Milano usw.) vorgenommen werden. Entscheidend ist, dass die Haftung zwischen den Schichten der Zurichtung vollständig ist. Die Gesamteinstellung der Zurichtung muss zu den vorhandenen Ledereigenschaften passen und auf den Verwendungszweck des Leders abgestimmt sein.